Gemeinde Ottersweier

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Historische Bedeutung

Postkarte Luftbild Ottersweier
Postkarte Luftbild Ottersweier

Die historische Bedeutung Ottersweiers liegt auf der Hand. Man muss nur einmal den Versuch unternehmen, sich in diese Zeiten zu versetzen. Der Rhein, noch lange nicht begradigt, suchte sich nach dem Hochwasser ein neues Bett und überflutete weite Teile der Ebenen.

Durch dieses Gebiet legten die Römer, um Straßburg (Argentorate) mit Baden-Baden (Aquae) zu verbinden, eine Straße an, von der eine Abzweigung nach Drusenheim ihren Anfang in der Nähe der heutigen Wallfahrtskirche hatte. Wo Legionäre marschierten, denen bald Kaufleuten folgten, entstanden wohl mit Vorliebe Ansiedlungen. So wurde im Laufe der Jahrhunderte das Gebiet besiedelt und seine Bevölkerung lebte von dem, was der Boden und die Natur eben her gab.

Glaubensbindung

In kirchlicher Hinsicht war Ottersweier als Sitz eines Landkapitels der Diözese Straßburg Mittelpunkt für die Pfarreien zwischen Oos und Rench.

Auch später, als die Jesuiten eine Residenz errichteten, um von hier aus im gesamten Umland segensreich zu wirken, zeigte sich die starke Glaubensbindung der Bevölkerung. Nach der Auflösung des Ordens in Baden kaufte die verwitwete Markgräfin Maria Viktoria das Gebäude, holte sich Ordensschwestern von Breisach und gründete eine Mädcheninternat. Sie wohnte und lebte selbst auch 10 Jahre in dem Gebäude, das heute als Rathaus dient.

Die Geschichte der politischen Gemeinde ist untrennbar mit ihrer Kirchengeschichte verbunden.

Der Name Ottersweier

Der Name Ottersweier (Otterswilre) ist eine Zusammensetzung aus dem altdeutschen Personennamen Ott, verlängert Ottar (Otter), und der alemannischen Ortsbezeichnung Wilre (vom römischen Villa, im mittelalterlichen villare), das aber seit dem 16. Jahrhundert überall in der Ortenau in War, Weier, übergeht. Die mit dem Personennamen Ott, Otto, Ottar und Ottmar zusammengesetzten Ortsnamen sind überall in Deutschland sehr häufig. In der Ortenau selbst finden wir in nächster Nähe ein Ottenweier, ein Ottoweier, ein Ottersberg, Ottersdorf, Ottenhöfen und dergleichen. Ein gleichnamiges Dorf Otterswyller existiert auch im Elsass.

Das Gemeindegebiet

Das Gemeindegebiet umfasst die Gemarkungsflächen den ehemals selbständigen Gemeinden Otterweier (mit den Zinken Hub, Haft, Hard, Walzfeld und Oberhatzenweier), Hatzenweier (Unterhatzenweier), Unzhurst (mit der Stabsgemeinde Breithurst), Oberwasser und Zell. 1936 wurde ohne Gemeinderatsbeschluss oder Volksabstimmung durch Diktat des damaligen Gauleiters Hatzenweier zu Ottersweier angegliedert. Gleiches geschah mit den Gemeinden Oberwasser und Zell, sie gingen in die Gemeinde Unzhurst auf. Im Gefolge der Gemeindereform von 1971/72 entschied sich Unzhurst für die Eingliederung in die Gemeinde Ottersweier.

Gebietsdreieck

Was sich heute als "Einheit in Vielfalt" darstellt, war zu früheren Zeiten politisch, oder besser gesagt in der Zugehörigkeit zur Gebietsherrschaft, vom Wechsel der Zeiten abhängig. Der Raum um Ottersweier war über lange Zeiten hinweg ein Gebietsdreieck. Das Dorf gehörte zur Landvogtei Vorderösterreich, die Wallfahrtskirche dagegen schon zur Markgrafenschaft Baden-Baden.

Der damals tatsächlich gezogene Landgraben, der von der Rheinebene bis zum Schwarzwald verlief, grenzte die Gebiete ab. Das Gebiet südlich der Ortsgemarkungsgrenze, als Sasbach, gehörte zur Herrschaft des Fürstbischofs von Straßburg, dessen Residenz außerhalb dieser Stadt lag, denn Straßburg selbst war freie Reichsstadt. Diese Abgrenzung der Herrschaftsbereiche unterlag des öfteren Änderungen, weil die Mächtigen jener Zeiten im Umgang mit ihrem Eigentum, zu dem auch die Bevölkerung gehörte, nicht gerade zimperlich waren. Änderungen der Lebensverhältnisse, Verkauf oder Tausch, wenn nicht sogar gewaltsame Wegnahme durch kriegerische Ereignisse, stellten keine Seltenheit dar.

Die "Untertanen" mussten dies als Schicksal hinnehmen. Gleiches galt für die häufigen Zerstörungen durch Kriege, an denen es vor allem im 17. und 18. Jahrhundert nicht mangelte. Geordnete Verhältnisse unter einheitlicher Staatsautorität durch die Revolutionen von 1848/49 unterbrochen, kehrten erst nach Gründung des Großherzogtums Baden –vom See bis an des Maines Strand- im Jahre 1806 ein.

Entwicklung

So konnte sich unser Ort vor allem in der Zeit nach 1945 stetig fortentwickeln und aus einer von Landwirtschaft und Handwerk geprägten Gemeinde wurde die heutige Wohngemeinde mit gesunder und umweltfreundlicher Geschäfts-, Gewerbe- und Industrieansiedlung. Die seit 1962 bestehende Partnerschaft mit der belgischen Gemeinde Tongerlo, jetzt Westerlo, unterstreicht die europäische Offenheit unserer Bürger.

Das Rathaus und seine Geschichte

Rathaus
Rathaus

Die fromme und wohltätige Markgräfin-Witwe Maria Viktoria, die letzte Fürstin aus dem Hause Baden-Baden, die, wie sie selbst sagt, ihr ganzes Vermögen "zur Aufbauung der katholischen Religion, zur Verbesserung der Sitten und zum Besten ihrer Diener und Untertanen" verwenden wollte, kaufte dieses Haus von der österreichischen Regierung um die Summe von 2.000 Gulden, um daselbst ein höheres katholisches weibliches Lehr- und Erziehungsinstitut zu errichten. Dazu verlegte sie 1774 ihren Wohnsitz teilweise nach Ottersweier, denn das Dorf war mit der Ortenau 1771 von der Lehenszugehörigkeit zu Baden-Baden wieder an das katholische Erzhaus Habsburg zurückgefallen.

Die Sache lag der Markgräfin so sehr am Herzen, daß sie im Jahre 1778 von Ottersweier aus die weite beschwerliche Reise nach Wien unternahm, um bei der Kaiserin Maria Theresia, der sie den Entwurf der Stiftung schon früher unterbreitet hatte, die Angelegenheit persönlich zu betreiben. Die Bestätigung erging allerdings erst am 22. Mai 1783 durch Kaiser Joseph II.

Maria Viktoria hatte 60.000 Brabanter oder 50.526 Rheinische Gulden in einen Stiftungs-Fond angelegt, deren Zinsen den Lehrfrauen zufallen sollten. Neben der Kaufsumme für das bestehende Gebäude (2.000 fl) bestimmte sie "annoch ein weiteres Capital von Zehn Tausend Gulden, um dieses Haus so, wie es die abgezweckte Erziehungs-Anstalten erfordern, zu erweitern und behörig einzurichten". Damit wurde an das bestehende Gebäude ein weiteres angebaut und als Schule genutzt.

Das Lehr- und Erziehungsinstitut wurde nach vierzigjähriger segensreicher Wirksamkeit zu Ottersweier am 1. Juni 1823 von da nach Offenburg verlegt. Bereits seit dem Jahre 1803 hatte sich die Stadt Offenburg bei der großherzoglichen Regierung eifrig bemüht, die Anstalt, die eines vorzüglichen Rufes sich erfreute, zu gewinnen. Nach einem unterm 29. Februar 1820 erfolgten Vertrag zwischen der Stadt Offenburg und der Gemeinde Ottersweier hatte sich erstere bereit erklärt, letztere für die Verlegung des Institutes mit einer Summe von 6.000 Gulden zu entschädigen.

Das 1688 errichtete Gebäude dient jetzt noch als Rathaus und zählt als solches neben denen von Schwarzach, Baden-Baden und Bühl zu den ältesten in der Raumschaft.

Markgrafschaft

"Nachdem die Markgrafschaft Baden-Baden im Laufe des 16. Jahrhunderts nach dem damals geltenden Fürstenrechte bereits siebenmal (!) das Religionsbekenntniß gewechselt hatte, kam im Jahre 1622 nach der Schlacht von Wimpfen der streng katholisch gesinnte Markgraf Wilhelm von Baden an die Regierung, der von dem "ius reformandi" Gebrauch machend, sein Erbland wieder zur katholischen Kirche zurückführte." (vgl. FDA XI, 116-119).

Zur Förderung der humanistischen Studien und einer guten Jugenderziehung wollte der Markgraf bereits im Jahre 1630 den Vätern der Gesellschaft Jesu in seiner Hauptstadt Baden ein Collegium errichten und demselben die zu Ottersweier liegenden bedeutenden Güter des von Württemberg aufgehobenen Cistercienserklosters Herrenalb zuwenden, was jedoch vor der Hand nicht zur Ausführung kam.

Der zweitgeborene Sohn des Markgrafen, Leopold Wilhelm, hatte die Investitur auf das Rektorat Ottersweier erhalten. Da aber das alte Recoratshaus mit 50 anderen Gebäuden im Kroatenkrieg in Flammen aufgegangen, so hätten die Patres bald da, bald dort Unterkommen und Nahrung suchen müssen. Die Patres nannten sich missionarii und richteten bereits im Jahre 1639 das dem abgebrannten Pfarrhofe gegenüberstehende Kaplaneihaus der St.-Michaels-Pfründe zu einem Missionshaus oder Hospitium ein.

Unterm 16. März 1641 wurde den Badener Jesuiten die Administration des Rectorates Ottersweier im Geistlichen und Weltlichen förmlich übertragen. Die Stiftung des Jesuitencollegiums zu Baden kam 1642 zustande.

Da der Markgraf geneigt war, das seinem Patronate unterstehende Rectorat Ottersweier, das mit der Mehrzahl seiner Güter auf ortenau-österreich-ischem Gebiete lag, ebenfalls dem Badener Colleg zu incorporiren und bereits Verhandlungen deswegen mit der bischöflichen Curie zu Straßburg gepflogen wurden, setzte man von seiten der ortenauischen Beamten alles in Bewegung, dies zu hintertreiben.

Als unterm 20. October 1650 Prinz Leopold Wilhelm das Rectorat resignirte, präsentierte der Markgraf seinen drittgeborenen Sohn Hermann darauf. Die Verwaltung der Pfarrei blieb nach wie vor in den Händen der Jesuiten. Eine Renovation der Güter, Zehnten und Gefälle des Rectorates wurde 1652 vorgenommen und im Jahre 1663 das bisherige Missionshaus zu Ottersweier in ein vom Badener Collegium unabhängiges Nebencollegium, in eine sog. Residenz, umgewandelt.

Nach dem Verzicht von Prinz Hermann im Jahre 1671 erhielt sein Bruder Karl Bernhard die Investitur. Es war dies der dritte badische Prinz, der Pfarr-Rector von Ottersweier wurde (die Prinzen hatten nur die Tonsur empfangen und traten später zum Militärdienst über. Leopold Wilhelm und Hermann haben sich als tüchtige Feldherren Lorbeeren errungen).

Von 1686 bis 1774 galten die Rectoren des Collegiums in Baden, in deren Namen die Superiore der Ottersweirer Residenz die dortige Pfarrei, sowie die Pfarrei Bühl durch ihre Patres versehen ließen, rechtlich als Pfarrer von Ottersweier und Bühl, ohne daß sie als indessen inverstirt wurden.

Unter dem ersten Superior der Residenz Ottersweier, Pater Bartholomäus Bollmeyer, wurde von 1680 bis 1692 an der Stelle des alten Missionshauses die neue, stattliche Residenz (jetzt Rathaus) erbaut.

Eine besonders eifrige Pflege wandten die Patres der zur Pfarrei Ottersweier gehörigen, viel besuchten Wallfahrt Maria-Linden zu. Schon 1655 sagen die Pfarr-Acten:
"Der größere Theil der Ottersweierer Einwohner erkennt dankbar an, daß durch die Bemühungen der Gesellschaft Jesu der Cult der seligsten Jungfrau bei den Linden immer mehr zugenommen und die Andacht daselbst derart in Flor gekommen, wie es früher unter den Rectoren aus dem Weltklerus niemals der Fall gewesen."

Wenige Jahre vor der Aufhebung des Ordens erbaute Superior Anton Gremans die gegenwärtig noch stehende Wallfahrtskirche.

Kaum hundert Jahre hatte die Residenz zu Ottersweier bestanden. Nachdem Papst Clemes XIV. durch das "Breve Dominus ac Redemptor noster" vom 21. Juli 1773 die Aufhebung der Gesellschaft Jesu verkündigt hatte, endete die segensreiche Zeit. Das Haus wurde Staatsgut.

Das Lehr- und Erziehungsinstitut wurde nach vierzigjähriger segensreicher Wirksamkeit zu Ottersweier am 1. Juni 1823 von da nach Offenburg verlegt. Bereits seit dem Jahre 1803 hatte sich die Stadt Offenburg bei der großherzoglichen Regierung eifrig bemüht, die Anstalt, die eines vorzüglichen Rufes sich erfreute, zu gewinnen. Nach einem unterm 29. Februar 1820 erfolgten Vertrag zwischen der Stadt Offenburg und der Gemeinde Ottersweier hatte sich erstere bereit erklärt, letztere für die Verlegung des Institutes mit einer Summe von 6.000 Gulden zu entschädigen.

1999/2000 wurde eine Landesausstellung "Vorderösterreich - nur die Schwanzfeder des Kaiseradlers ? - Die Habsburger im deutschen Südwesten" präsentiert. Aus dieser Sicht gesehen war Ottersweier der äußerste Rand der Feder, denn aus der geographischen Schau dürfte die Gemeinde der nördlichste Gebietsteil gewesen sein.

Wie kam es?

Als Kaiser Karl V. dem Erzherzog Ferdinand von Österreich wegen seiner Verdienste das Recht einräumte die Pfandschaft Ortenau einzulösen, wurde unterm 19. März 1530 zwischen Markgraf Philip I. von Baden, Bischof Wilhelm von Straßburg und Graf Wilhelm von Fürstenberg nach mancherlei Vorverhandlungen (zu Ottersweier und Speyer am 4. und 28. Februar 1530) der Ortenauer Herrschaftsvertrag "in Betreff der gegenseitigen obrigkeitlichen Rechte und Ansprüche über die Dörfer und Leute des Ottersweirer Gerichts und Kirchspiels abgeschlossen."
Hinsichtlich des Zolles wurde bestimmt, daß der uralte Landgraben vom Hartberg oberhalb der Hub bis an den Hatzenweierer Steg die Grenze zwischen der Markgrafschaft Baden und dem ortenauischen Reichsland bleiben soll.

Hundert Jahre später überläßt Kaiser Ferdinand II. seinem Rate und Rittmeister Freiherrn Peter von Schwarzenberg, für sich und seine Erben das Dorf und den Stab Ottersweier auf je 25 Jahre zum Pfand gegen 30.000 Gulden, welche jedoch für das erste Mal aus Erkenntnis der geleisteten Dienste erlassen sein sollen.

1701 wurde Markgraf Ludwig Wilhelm von Baden (Türkenlouis) wegen seiner in den Türkenkriegen Kaiser uns Reich geleisteten Dienste mit der Landvogtei Ortenau belehnt. Somit kam Dorf und Stab Ottersweier wieder unter baden-badische Herrschaft und war als "Schultheißerei" dem Landgericht Achern zugeteilt. Dies blieb bis 1771.

Mit dem Ableben des letzten baden-badischen Markgrafen Georg August, dessen Ehe mit Maria Viktoria kinderlos blieb, wurde die Ortenau als erledigtes Reichslehen angesehen und wieder von Österreich in Besitz genommen. Ottersweier wurde wiederum österreichisch.

Durch den Frieden zu Preßburg (1806) erhielt Markgraf Karl Friedrich von Baden, der 1803 Kurfürst und 1806 erster Großherzog von Baden geworden war, neben anderen Gebieten auch die bisherige vorderösterreichische Landvogtei. Damit endete die zeitweise Zugehörigkeit unserer Gemeinde zu Österreich für immer.