Gemeinde Ottersweier

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Katholische Pfarrkirche St. Johannes

Dorfkirche St. Johannes
Dorfkirche St. Johannes

Hauptstraße 40
77833 Ottersweier

Pfarrer
Jörg Christian Seburschenich

Pfarramt
Laufer Straße 1
77833 Ottersweier
Tel: 07223/24677
Fax: 07223/942460
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Kirchengeschichte

Kirchenfront St. Johannes
Kirchenfront St. Johannes

"Die Pfarrei Ottersweier ist eine der ältesten des Landes; jedenfalls bestand dieselbe schon vor der Gründung der nahen Benedictiner-Abtei Schwarzach, die man gewöhnlich in die Jahre 815-826 verlegt.
Denn bereits 774 errichtete Bischof Heddo von Straßburg ein transrhenanisches, die ganze Ortenau umfassendes Archidiakonat, zu dem die Landkapitel Ettenheimmünster (Lahr), Offenburg (Willstätt) und das sogenannte niedere Kapitel Ottersweier gehörten."

So schrieb der Pfarrer und Heimatforscher Karl Reinfried 1882. Als Nachweis bezeichnete er die "Historie de l`eglise de Straßbourg" von Grandidier.

"Für das hohe Alter der Pfarrei Ottersweier spricht auch der Patron der Kirche, welche dem hl. Johannes dem Täufer geweiht ist. Diesem pflegte man nämlich bei der Ausbreitung des Christentums vorzüglich jene Kirchen zu weihen, wo die Neubekehrten die Taufe erhielten." (so Reinfried).

Verschiedene Baustile

Kirchtürme St. Johannes
Kirchtürme St. Johannes

"Auf einer kleinen Anhöhe, so ziemlich in der Mitte des Dorfes und etwas abseits von der Landstraße, steht die alte St.Johannes-Pfarrkirche, die, ein Complex von verschiedenen Baustilen, in architektonischer Beziehung nicht ohne Interesse ist. Der romanische Thurm bildete bei der älteren Kirche ursprünglich den Chor. Der niedere, etwas plumpe, aus einem gleichseitigen Dreieck construierte Chorbogen ist gothisch, während die Schallfenster desselben Thurmes, der auf dem Chore steht, noch romanisch sind. Damit dürfte dieser Theil der genannten Kirche in die zweite Hälfte des 13. Jahrthunderts zu setzen sein. An der nördlichen Thurmseite war eine kleine, dem hl. Michael geweihte Kapelle; an der südlichen ist jetzt noch die geräumige, feuerfest gewölbte Sacristei angebaut, worin ein Altar stand." ( Reinfried-FDA, Bd.15)

Der alte Turm


Diese Angaben - und noch mehr dazu - finden wir bestätigt, wenn wir den alten Turm vom Kirchplatz aus bestrachten. Es sind nämlich deutlich drei (es können auch vier sein) Einkerbungen von Dachanlehnungen früherer Kirchen zu sehen.Wir dürfen also - obigem Bericht folgend - davon ausgehen, daß ursprünglich der Turm immer im Osten und mittig zum Kirchenschiff stand und erst 1517 durch den Anbau des gotischen Chores (jetziger Mitteleingang) dieser Zustand sich änderte.

Die am weitesten, bis an den Rand des Turmes hinaufführende Einkerbung zeigt, daß durch die Dachform erstmals der Turm nicht mehr in der Mitte, sondern seitlich versetzt zu sehen ist. Dies geschah durch den Kirchenbau von 1517. Links neben dem Turm wurde der gotische Chor angebaut.

Die übrigen Spuren von früheren Kirchendächern am Turm stammen also vor dieser Zeit.Es stellt sich also die Frage, in welchen Abständen Kirchenerneuerungen wegen des Zustandes oder der Größe vorgenommen wurden. Sicher ist, daß der Südturm der Pfarrkirche das älteste Gebäude der Gemeinde ist.

Heutiges Wahrzeichen

Heutiges Wahrzeichen der Gemeinde ist die zweitürmige neugotische Pfarrkirche St.Johannes. 1906 war die Grundsteinlegung für diese mächtige Kirche.

Die Gemeinde hatte schon 1895 die räumlichen Voraussetzungen für den Neubau geschaffen, doch die kirchlichen und staatlichen Behörden konnten sich erst nach 10 Jahren einigen. Grund dieser Verzögerung war die Forderung der staatl. Behörde nach Erhalt der "historisch wertvollen Teile (Turm und Chor der Vorgängerkirche)", der die Kirchenbehörde erst nach langen Verhandlungen nachkam.

"Zu Anfang des 16.Jahrhunderts entfernte man das alte romanische Langhaus und baute ein breiteres gothisches Schiff nebst einem Chore. Zu diesem Chore legte Pfarr-Rector Sebastian von Windeck in jenem Jahr den Grundstein, von dem man die Entstehung der Kirchenspaltung zu datiren pflegt, laut der Inschrift an einem Chorpfeiler:

"Off fritag nach invocauit an. 1517 ist der erst stein gelegt dis bawes durch hern sebastian von windeck kirch(herrn)."

Rektoratszeichen und Geschlechterwappen

Darunter ist das Rektoratszeichen (Kelch) und die Geschlechterwappen des Bauherrn von väterlicher (Windeck) und mütterlicher (Entzberg) Seite ausgehauen.

Die drei Schlußsteine

Im Kreuzgewölbe des Chores sind drei Schlußsteine zu sehen. In ihnen sind

  • die Wappenfarben der Markgrafen
  • die der Windecker
  • das Zeichen des Baumeisters 

enthalten.

Das Geschlecht der Windecker

Das Geschlecht der Windecker hing sehr eng mit dem der Grafen von Eberstein, deren Lehensleute sie waren, zusammen. Sie besaßen in und um Ottersweier umfangreiche Güter als ebersteinische wie auch als freies Reichslehen bis zum Erlöschen ihres Mannesstammes im Jahre 1592.

Im Wappenschild des Geschlechts derer von Windeck verläuft in Blau ein goldener Schrägbalken von rechts oben nach links unten, vom Träger aus gesehen, und eine silberne Vierung über demselben.

Angehörige der Windecker waren Pfarrer von Ottersweier und fanden in der alten Kirche ihre Grablege. Karl Reinfried beschreibt in seiner Darstellung "Grablegen und Epitaphien der Herren von Windeck in den früheren Pfarrkirchen zu Kappel und Ottersweier bei Bühl, sowie in der Klosterkirche zu Schwarzach" (FDA XIV, 1880), die zu seiner Zeit noch reichhaltig vorhandenen Zeugnisse.

Das Ebersteiner wie auch das Windecker Wappen ist auf den Trägern eines alten Ziehbrunnens zu finden, der jetzt im Gelände der Burg Windeck bei Weinheim steht. Dieser Brunnen stand einst in der Mitte unseres Dorfes. Als nach dem Bau der Bau der Wasserleitung (1902) die vorhandenen Brunnen ausgedient hatten, konnten sich die Eigentümer und Gemeindevertreter über seinen weiteren Verbleib nicht einigen. Das großherzogl. Denkmalamt griff ein und ließ ihn an seinem jetzigen Standort aufstellen.

Glasmalereien

Ein weiteres Andenken an die Windecker Zeit sind die Glasmalereien, die sich in der alten Kirche zu Ottersweier befanden, 1832 dem damals regierenden Großherzog Leopold geschenkt wurden, damit jetzt Eigentum des Markgrafen von Baden sind und sich im Rittersaal von Schloß Neueberstein befinden.

Diese Bilder wurden auf Antrag in das "Verzeichnis national wertvollen Kulturgutes" (Ges. zum Schutz deutschen Kulturgutes gegen Abwanderung v. 6.8.1955) aufgenommen. In dem Verfahren vor dem Verwaltungsgerichtshof Baden-Württemberg (Urt. V. 14.3.1986) wurde u.a. angeführt:

"Nach der Fachliteratur und nach den Feststellungen des Sachverständigen-Ausschusses stammt der sog. Ottersweierer Zyklus aus dem bedeutenden Glasmalerzentrum Straßburg. Von dort wurde - vor allem im 15.Jahrhundert - für ganz Süddeutschland gearbeitet. Diese Zunft hatte damit sogar überregionale Bedeutung. Der Ottersweierer Zyklus erlangt dadurch besonderen künstlerischen Wert, daß er dem unmittelbaren Umkreis Hans Baldungs entstammt, der - als Schüler Dürers - in Straßburg wirkte.

Der Ottersweierer Zyklus ist das einzige monumentale Zeugnis dessen Einflusses auf die Glasmalerei seiner Zeit und der Straßburger Glasmalerzunft aus dieser Zeit überhaupt."

Hl.Christophorus

Wolf von Windeck (+1542) kniet als bartloser Ritter in Rüstung vor ihm.
Christophorus durchschreitet als Riese mit dem Jesuskind auf den Schultern das Meer.
Im Hintergrund ist ein Berg und wogendes Wasser.

Hl. Anna

Auf dem linken Arme Maria, auf dem rechten das Jesuskind tragend.
Vor ihr kniet die Stifterin Anna von Thann, die Gemahlin des Wolf von Windeck.

Hl. Georg

Der Heilige ist als Ritter in Panzerrüstung dargestellt, in der Linken die Fahne haltend.
Vor ihm der kniende Stifter "Georg von Bach 1518" mit dem Bachischen Wappen.

Hl. Hieronymus

Mit entblößtem Oberkörper in einer Felsenhöhle, betrachtend vor dem Kruzifixe, einen Totenkopf in der Hand haltend.

Rechts unten der kniende Stifter: "Hans Bock ritter", in Waffenrüstung mit seinem Wappen (weißer Bock in rotem Felde). Hinter ihm eine zierliche gotische Kapelle.

Ritter Hans Bock von Gerstheim wird 1505 als Pfleger des minderjährigen Wolf von Windeck, Jacob von Windecks Sohn, genannt.

Hl. Ursula

Mit Pfeil und Buch.
Links unten kniet die Stifterin mit dem Spruchband: Ursel von Fleckenstein.
Es ist die letzte Windeckerin, die 1594 den Junker Friedrich von Fleckenstein heiratete.

Sie trägt eine sog. Straßburger (Kürbis-)Haube und ein goldenes Halsband mit der Inschrift: Fleckenstein. In Hintergrund eine Gebirgslandschaft. Kopf und Nimbus des Heiligenbildes ist modern.

Hl. Johannes der Täufer

(Patron der Kirche)

In der Linken ein Buch haltend, worauf das Lamm Gottes ruht mit der Auferstehungsfahne, auf das der Heilige mit der Rechten hinweist (Joh. 1,29).

Links hinten eine Stadt, weiter Felszacken und das Meer.

Johannes, der Evangelist

Mit goldenem Kelch in der Linken, aus welchem eine Schlange hervorzüngelt, während der Heilige mit der Rechten den Inhalt des Kelches segnet.

Den Hintergrund bildet eine Gebirgslandschaft mit einem Kirchturm, ganz ähnlich dem jetzigen Bühler Rathausturm, der ein Überbleibsel der früheren Kirche (1514-1524) ist.

Madonna

Als Himmelkönigin in der Strahlenglorie auf dem Halbmond stehend, das Jesuskind auf dem linken Arme, mit der Rechten ihm einen Apfel reichend.